Geschichte des Kreis 5

Von der Flussaue zum Industriequartier

Der heutige Kreis 5 war bis weit in das 19. Jahrhundert ein fast unbesiedelter Teil der Gemeinde Aussersihl. 1875 gründete die Stadt das „Industriequartier“, um der heranwachsenden Industrie einen guten Standort zu bieten. Die Limmat als Energie- und Wasserquelle, die Nähe zum Hauptbahnhof, die Industriegeleise und die ebene Topografie boten dafür beste Voraussetzungen. Das Gebiet entwickelte sich zu einem klassischen Arbeiterquartier und über die nächsten achtzig Jahre wurde es durch die Industrie geprägt.

Die vielen Genossenschaften und städtischen Wohnungen sind heute noch Anbieter von günstigem Wohnraum. Dies garantiert dem  Kreis 5 eine durchmischte und stabile Wohnbevölkerung.

Die Industrie schrumpft - der Wandel beginnt

Im westlichen Teil des Industriequartiers, dem heutigen Zürich- West, suchen Konzerne seit den 1980er Jahren neue Nutzungen für ihre Industrie- und Gewerbeareale. Hier ist der Wandel am stärksten erfahrbar. 1965 gehörten im Industriequartier mehr als die Hälfte der Beschäftigten dem industriellen Sektor an, 2001 war es noch knapp ein Sechstel. Restrukturierungen, Auslagerungen und die technische Innovation führten zu einer radikalen Umnutzung.
Erste Neubauten in Form von Bürokomplexen entstanden. Sie repräsentierten die Zukunftsvorstellungen der damaligen Investoren: Kahle Bürohäuser in einem reinen Geschäftsviertel.

Für leere Hallen und Gebäude begann aber oft auch eine Phase der Zwischennutzung. Kleine, kreative Betriebe nisteten sich ein. Bars und Discos wurden eröffnet, Ateliers und Treffpunkte eingerichtet. Galerien und Kleintheater, Printmedien, Privatradio und Fernsehen sowie eine Reihe weiterer Projekte fanden hier ihre Nische. Diese oft nur provisorischen Nutzungen bildeten zusammen mit den ersten Loftwohnungen und dem Charme der alten Fabrikgebäude eine attraktive Mischung, die ein junges urbanes Publikum nach Zürich- West lockte.

Das Quartier erhielt ein neues Image. Auch die Viaduktbögen der SBB, die als Scharnier zwischen den beiden Quartierteilen Gewerbeschule und Zürich-West funktionieren, sind ein Teil davon. In diesen Bögen entstanden Läden, eine Markthalle sowie Treffpunkte für die Quartierkinder, aber auch für Tanz und Musik.

Mit dem Prime Tower erhielt der Kreis 5 nach den Kaminschloten ein neues Wahrzeichen und mit dem 17er Tram eine neue Verbindung nach Altstetten. Weitere Bauten und der Park Pfingstweid werden folgen.

Das Quartier wird weiter in Bewegung bleiben.